Schlafberatung für erschöpfte Eltern

Wenn Babys und Kleinkinder nicht durchschlafen und nachts nach den Eltern verlangen, ist das ein Fall für Jordana Spindler. Die Schlafberaterin aus Nieder-Olm weiß, wie sie erschöpften Eltern helfen kann.

Je näher der Abend rückt, desto mehr zittern Christines Hände. Ihr Sohn Timo ist 14 Monate alt, wacht jede Nacht auf und will nur noch ins elterliche Bett. Die Mutter läuft häufig zwischen Kinderbett und Elternbett hin und her, bis sie irgendwann total erschöpft aufgibt und das Kind zu sich legt. Das Drama wiederholt sich jede Nacht. Vater Thomas geht jeden Morgen unausgeschlafen zur Arbeit. Christine ist den ganzen Tag gereizt. Die Eltern suchen Rat bei Jordana Spindler.

Die studierte Sozialpädagogin, selbst Mutter von zwei kleinen Kindern, ist Familienberaterin und bietet unter anderem Unterstützung beim Stillen an. Seit Mai 2019 begleitet sie Familien auf dem Weg zu entspannteren Nächten. „Wenn ein Baby im Haus ist, sind die Eltern in der Regel auf schlaflose Nächte vorbereitet. Nach dem ersten Geburtstag erwarten jedoch viele, dass der Alltag wieder einkehrt,“ sagt Jordana Spindler. Bei vielen Familien liegen die Erwartungen und die Realität allerdings weit auseinander.

Jordana Spindler bietet Schlafberatung an. Vielen Eltern hilft sie dabei, dass ihre Babys besser schlafen.Quelle: J. Spindler
Jordana Spindler, selbst Mutter, hilft erschöpften Eltern

Das ist bei Christine und Thomas der Fall. Die Schlaf- und Familienberaterin lernt Timos Familie in ihrer häuslichen Umgebung kennen. Für sie ist es wichtig zu wissen, wie und wo die Familie schläft und wie der Alltag aussieht. So erfährt sie, dass Timo vor einigen Wochen in der Kita eingewöhnt wurde und Christine nun wieder arbeitet. „Das sind große Veränderungen für die Familie. Das Kind muss sich an die neuen Betreuungspersonen, andere Kinder, den neuen Rhythmus, Regeln und die Trennung von den Eltern gewöhnen“, sagt Jordana Spindler. Auch Kinder, die sehr gerne in die Kita gehen, könnten mit einem veränderten Schlafverhalten auf die neue Situation reagieren. Eltern, die wieder ins Berufsleben einsteigen, sind auch nicht selten gereizt. „Es ist also ganz natürlich, dass Kinder bei Stress und großen Veränderungen Nähe zu ihren Bezugspersonen suchen. Deswegen wachen sie auch nachts auf“, weiß Spindler.

Spindler arbeitet nach dem 1001kindernacht-Konzept

Mit der von vielen Kinderärzten propagierten Methode, Kinder immer wieder in ihre Betten zurückzubringen und auch mal alleine schreien zu lassen, fühlen sich viele Eltern nicht wohl. Sie ist außerdem nicht bindungsorientiert und kindgerecht. Christine ist konsequent und bringt Timo jede Nacht in sein Bett zurück. Die Situation entspannt sich jedoch nicht und die Mutter kommt an ihre Grenzen. Christine ist erschöpft, weil sie jede Nacht zwischen Kinder- und Elternbett wechselt. Die Schafberaterin Spindler empfiehlt daher ein ,sicheres Nest‘ einzuführen. So kann Timo durch Nähe und Sicherheit die familiären Veränderungen besser verarbeiten und die Familie bekommt nachts mehr Ruhe.

Spindler arbeitet nach dem so genannten 1001kindernacht-Konzept, das einen ganzheitlichen Ansatz anvisiert. Es besagt, dass das Schlafverhalten von vielen Faktoren beeinflusst wird. „Ich erkläre den Eltern etwas zur kindlichen Schlafentwicklung und wir schauen uns an, wo das Kind aktuell steht und was veränderbar ist und was nicht.“ Bei 1001kindernacht seien alle Schritte oder Veränderungen immer kindgerecht und bedürfnisorientiert, d.h. die Bedürfnisse aller Familienmitglieder stehen im Vordergrund. Auf die Entwicklung und Reife des Kindes und den Aufbau einer sicheren Eltern-Kind-Bindung wird besonders großer Wert gelegt.

So schaut sich Jordana Spindler nicht nur genau an, was Christine und Thomas konkret verändern können, sondern auch, wie sie Kraft tanken können, damit es ihnen als Familie besser geht. Die Schlafberaterin stellt beispielsweise fest, dass Christine direkt nach der Arbeit das Kind aus der Kita abholt, mit ihm einkaufen geht und zu Hause angekommen sofort das Abendessen vorbereitet. „Um die Mama zu entlasten, geht jetzt Thomas mit Timo jeden Samstagmorgen für die ganze Woche einkaufen.“ So genießen Vater und Sohn ihre Zweisamkeit und die Mutter kann samstags ausschlafen und die Nachmittage mit dem Sohn anders gestalten. Timo, der jetzt die Zeit gleichermaßen mit beiden Elternteilen verbringt, ist ausgeglichener und schläft auch besser. Jordana Spindler kann sich nun einer anderen hilfesuchenden Familie widmen.

Dieser Artikel ist erstmals erschienen in: SchlauMaus November 2019.

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